Nach unserem Aufenthalt in Perú hiess es für uns nun Abschied nehmen von diesem faszinierenden Land, mit dem Wissen in Bolivien weitere herrliche Tage zu verbringen. Von Puno fuhren wir mit dem Linienbus am tiefblauen Titicacasee entlang nach Desaguadero an der peruanisch-bolivianischen Grenze. Schon die ersten Blicke auf den tiefblauen See liessen uns seine mystische Bedeutung für die Ureinwohner erahnen. Unterwegs passierten wir einige Stellen wo sich traumhafte Ausblicke auf den gewaltigen See ergaben, und immer wieder  konnte man Kirchen im typisch kolonialen Baustil erblicken. Nach knapp 150 km kamen wir zum Grenzort Desaguadero, hier wird die Grenze, die nur von 8 – 12 und von 14 – 17 Uhr geöffnet ist, durch eine Brücke über den Rio Desaguadero dem einzigen Abfluss des Titicacasees zum Nachbarstaat Bolivien markiert. Wir mussten alle den Bus verlassen und uns zu Fuss zum peruanischen Zoll begeben, dann kam das Anstehen an der wartenden Schlange um den Ausreisestempel zu erhalten. Nach einer halbstündigen Wartezeit hatten wir unseren Ausreisestempel im Pass und konnten uns auf die bolivianische Seite begeben um hier den Immigrationsstempel abzuholen. Unterdessen wurde unser Gepäck vom peruanischen Bus zu einem  bolivianischen Taxi gebracht, welches uns nach La Paz bringen sollte. Nach einer kurzen Fahrt waren auch schon die ersten Häuser von Copacabana, dem bedeutendsten Wallfahrtsort Boliviens, zu sehen. Der kleine mediterran wirkende Ort wurde von der schneeweissen, im Barock- und Renaissancestil errichteten Kathedrale, die der schwarzen Jungfrau gewidmet ist, überragt. Ein Besuch im Innern lohnte sich, man konnte die ein Meter hohe Figur der „Virgen Morena“, auch „Virgen de Copacabana“ genannt, betrachten. Ihr werden zahlreiche Wunder und Heilungen zugeschrieben, zudem wird sie als Schutzheilige des Titicacasees-Sees verehrt. Zudem konnten wir wertvolle Bilder aus der Malschule Couscous und einige interessante Goldschmiedearbeiten besichtigen. Übrigens sollen hier jeden Samstag und Sonntag auf dem Vorplatz festliche Autoweihen stattfinden. Dann sollen hier in Zweier-und Dreierreihen grosse und kleine Wagen stehen, die geschmückt mit bunten Blumen, Miniaturfiguren und Papierrosetten, auf den allmächtigen Segen warten. Dann ging’s weiter Richtung La Paz. Wir unterbrachen unsere Weiterfahrt nochmals um den See an einer Enge die den oberen Teil mit dem unteren Teil des Titicacasees-See verbindet zu überqueren. Vom Ort Estrecho de Tiquina brachte uns ein kleines Boot zur Insel Suriqui welche für ihren Bootsbau bekannt ist, hier hat Thor Heyerdahl mit Hilfe der Aymara sein bekanntes Balsa-Boot RA II gebaut. Während wir uns auf der Insel aufhielten um das Thor Heyerdal Museum zu besichtigten wurde unser Auto samt Gepäck auf ein abenteuerlich anzusehendes, motorbetriebenes Floss verladen und leicht schaukelnd über den Titicacasee-See "gefahren". Auf der Weiterfahrt mit dem Boot nach Puerto Perez, konnten wir nochmals den herrlichen Blick auf den See und auf die Berge der Cordillera Real geniessen. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir in El Alto, der Hochstadt von La Paz an. Wir legten hier noch schnell einen Fotostopp ein, um den herrlichen Panoramablick auf die höchstgelegene Stadt der Welt, mit dem 6439 m Hohen Illimani im Hintergrund, im Bild festzuhalten. Wir hatten ja schon viel über La Paz gelesen, was wir dann aber zu Gesicht bekamen übertraf alles was wir uns je vorgestellt hatten. Wir standen am Rand des Talkessels und blickten mit offenem Mund auf ein Häusermeer, das nicht aufzuhören schien, und irgendwo da unten, mittendrin, stand unser Hotel, welches wir nach einer abenteuerlichen Fahrt durch den Vorabendverkehr heil erreichten. Nur zwei ganze Tage verbrachten  wir in La Paz, die ungewohnte dünne Luft machte uns recht zu schaffen, für grosse Unternehmungen fehlte und wortwörtlich „die Puste“. Dafür hatten wir aber genügend Zeit um dem interessanten Strassentreiben zuzusehen und staunten was da alles angeboten wurde, Dinge die man zum Leben braucht (oder auch nicht). Die Menschen hatten ihre Obststände an den teils sehr stark befahrenen Strassen aufgebaut, Indios verkaufen CDs und Kassetten, an jeder Ecke wurde aus Schaf- und Lamawolle gestrickte Kleider angeboten. Eine besondere Herausforderung war das Überqueren der Strassen, hier war immer grösste Vorsicht geboten, denn Verkehrsregeln waren in La Paz anscheinend ein Fremdwort. Vermutlich galt  hier bei den Verkehrsvorschriften das Recht des Stärkeren. Die besondere Faszination an dieser Stadt war sicher die Lage; denn wo auf der Welt findet man eine andere Millionenstadt, deren Stadtteile sich auf 1000 Höhenmeter verteilen, wo in der Innenstadt Tradition und Moderne zu einer ganz besonderen Mischung verschmelzen und wo man repräsentative Bankhochhäuser, hübsche kleine Parks und koloniale Altstadthäuser genauso finden konnte, wie Gewerbegebiete. Dann erwartet uns ein echtes Abenteuer, am frühen Morgen begaben wir uns zum Busbahnhof um mit dem öffentlichen Linienbus nach Oruro zu fahren. Nachdem wir das ganze Prozedere mit dem Gepäckaufgeben erledigt hatten fuhr der Bus pünktlich los. (Beim „Einchecken” gaben wir unser Gepäck in Verwahrung, wie auf einem Flughafen, und erhielten dafür einen Beleg mit dem wir am Ende der Fahrt unsere Sachen wieder zurückbekamen). Auf einer holprigen Strasse schlängelte sich das Fahrzeug durch die Armenviertel von El Alto, vorbei am internationalen Flughafen. In der unwirtlichen und kühlen Höhe von El Alto (4010m.ü.M.) leben die ärmsten Menschen der Stadt, während die reicheren Leute die angenehmeren und tieferen Stadtteile bevorzugen. Durch das karge Hochland, deren asphaltierte  Strassen schlecht unterhalten waren, gelangten wir nach etwa drei Stunden Fahrt nach Oruro. Wenn die Busreise auch unbequem war und der Busfahrer gewöhnungsbedürftig war, waghalsige Überholmanöver und Dauerhupen stand an der Tagesordnung, so wurden wir umso mehr durch eine fantastische Aussicht entschädigt. Kaum in Oruro, einer ehemaligen Silberminenstadt angekommen, ging es auch schon wieder weiter. Nachdem wir das Umladen unseres Gepäcks überwacht hatten, bestiegen wir den Zug „Expresso del Sur“ der uns gemütlich über das Andenplateau nach Uyuni brachte. Wir waren erstaunt wie luxuriös dieser Zug war, die bequemen Sitze die man sowohl in Fahrtrichtung drehen, als auch zu Liegesitzen verstellen konnte, vermittelten uns ein angenehmes Reisegefühl. Der Schaffner fegte alle zwei Stunden den Flur und übertünchte etwaige "Gerüche" mit Raumspray. Während der Fahrt konnten wir immer wieder Lama- und Vicuñaherden und Gruppen von Flamingos an den kleinen Lagunen erblicken, und konnten die tolle Aussicht auf die umliegenden Berge geniessen. Nach einer 7 stündigen Fahrt erreichten wir den Ort Uyuni der früher ein bedeutender Knotenpunkt für den Gütertransport war, aber heutzutage nicht mehr ist, als ein staubiges, kaltes Dorf in dem es nicht viel zu erleben gibt. An jeder Ecke konnte man in allen 4 Himmelsrichtungen die Ortsausgänge sehen. Viel mehr gab es nicht zu sehen, passend dazu säumten nicht mehr benutzte Bahngleise diese trostlose Gegend. Hierher verschlägt es vermutlich nur jemanden der eine Tour auf den Salar de Uyuni machen möchte. Aber auf uns wartete hier in diesem verlassen wirkenden Ort  jedenfalls ein weiterer Höhepunkt unserer Bolivienreise. Am anderen Morgen machten wir uns mit Georgia unserer Reiseleiterin und unserem Chauffeur auf zum Salzsee, dem Salar de Uyuni. Unser erster Halt unterwegs war der nahegelegene Eisenbahnfriedhof. Die „vor sich hin rostenden“ Dampflokomotiven aus den 40er Jahren, welche früher für die Minen benutzt wurden, standen inmitten der kargen, verlassenen Landschaft, selten haben wir etwas derart skurriles gesehen, der Anblick bot uns aber tolle Motive für den Fotoapparat. Danach haben wir einen Stopp in Colchani einem kleinen Dorf am Rande der Salzwüste gemacht, hier leben die Bewohner auch heute noch von der Salzgewinnung und Verarbeitung. Das meiste davon wird in mühsamer Handarbeit gewonnen. Mit Pickeln wird das Salz herausgelöst, in konische kleine Hügel zum Trocknen aufgeschichtet und später in Säcke geschaufelt. Wir besuchten hier eine kleine und einfache Salzfabrik und  konnten beobachten wie das Salz auf Lastwagen verladen und abtransportiert wurde. Von dort ging’s weiter auf den Salar, eine einzigartige Salzwüste wo weit und breit nichts anderes zu sehen ist als Salz. Auf den ersten Blick hatte man den Eindruck auf einem riesigen Schneefeld zu stehen, nur dass die Berge eben nicht weiss waren. Unterwegs schauten wir uns die unterirdischen Wasserläufe die durch die Salzkruste brechen an, die sogenannten „Ojos de Salar“. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit lag vor uns die Isla Pescado, eine felsige Insel, auf welcher bis zu sechs Meter hohe Riesenkakteen wachsen. Die Insel sah aus wie ein Krokodil auf weissem Zucker und erhielt ihren Namen weil sie die Form eines Fisches hat. Während Georgina uns ein feines Mittagessen aus Pouletfleisch und Tomaten zauberte, welches wir später im Freien einnahmen, erwanderten wir die Insel zwischen den meterhohen Kakteen, einige davon waren einfach gigantisch, andere wiederum hatten bizarre Formen. Die Kakteen sind die einzigen Pflanzen, die unter diesen besonderen  Umständen hier überleben können. Aber vor allem hatte man eine fantastische Aussicht über die Salzfläche, wo gerade vor unseren Augen ein Fussballspiel stattfand. Am späteren Nachmittag ging unsere Fahrt wieder zurück zu unserer heutigen Unterkunft dem Hotel „Playa Blanca“, das inmitten der riesigen Salzfläche des Salars lag. Nicht nur die Aussenmauern, sondern auch ein grosser Teil der Inneneinrichtung, wie Tische, Stühle und auch die Betten (natürlich mit normalen Matratzen versehen), war tatsächlich komplett aus Salzblöcken gebaut. Fliessendes Wasser gab es im ganzen Hotel nirgends. Die einmalige Lage und die ungewöhnliche Bauart glichen den mangelnden Luxus mehr als aus. Bevor wir müde in die „Salzbetten“ fielen, schauten wir dem wundervollen Spektakel des Sonnenuntergangs über Salar zu. Mit den letzten Strahlen der Sonne rutschte das Quecksilber dann recht zügig in Bereiche von 0° Grad Celsius. Am anderen Morgen, nach dem Frühstück, machten wir uns auf den Weg nach dem auf 4'100 m liegenden Potosí. In Uyuni machten wir einen kurzen Stopp um die Ehefrau unseres Chauffeurs aufzuladen, die nach Potosí an den Markt mitfahren wollte. Dann begann unsere spektakuläre Fahrt über die „Cordillera de Chichas“ von „Uyuni“ nach „Potosi“. 215 km Schotterpiste lagen vor uns die wir in achteinhalb Stunden Fahrt bewältigten. Ab und zu begegneten wir kleinen Eselherden, die am Wegesrand ihr Futter suchten. Unsere Fahrt ging vorbei an unzähligen Bergdörfern, hier sah man kaum Menschen dafür aber konnten wir viele Lamas und Schafe auf den Weiden erblicken. Wir begegneten aber auch „verrückten“ Velofahrern, welche die Panamericana unsicher machten. Einige Male durchquerten wir Bäche die von der letzten Regenzeit übrig geblieben waren. Kurz vor Potosí ging die Fahrt noch mal durch einen kleinen Cañon bevor wir am späteren Nachmittag das Stadtzentrum erreichten. Wir bedauerten sehr dass die  Zeit hier nicht mehr für eine Stadtbesichtigung reichte, aber nach dem Essen wartete bereits ein Taxi auf uns welches uns nach Sucre bringen sollte. Die Strasse von Potosí nach Sucre war für bolivianische Verhältnisse super, sogar geteert, was für eine Wohltat, die Fahrt dauerte nur 3 Stunden! Die Fahrweise unseres Chauffeurs, na ja, die liess zu wünschen übrig, Geschwindigkeitsbegrenzungen war für ihn vermutlich ein Fremdwort. Die Route führt uns steilen Felswänden vorbei, über Flüsse und durch vielen ärmlichen Dörfern, zur eigentlichen Hauptstadt Boliviens, wo wir abends todmüde ankamen. Hier übernachteten wir in einem kleinen Hotel mit schöner kolonialer Atmosphäre. Am anderen Morgen besichtigten wir zuerst einmal das "Museo Textil Etnográfico". Neben einer interessanten Sammlung von Textilien, gewebt im traditionellen Stil von Tarabuco und Potolo, erhielten wir hier Informationen über die verschiedenen ethnischen Gruppen, deren Bräuche und Traditionen. Das Museum umfasste eine grosse Sammlung von Gemälden und anderen Objekten aus der Kolonialzeit und der Moderne, darunter kunstvolle Möbel aus den Jesuitenmissionen in der Chiquitania. Der nächste Ort den wir besichtigten war das „Convento La Recoleta“ ein 400 Jahre altes Franziskaner Kloster mit schönen Innenhöfen und Orangenbäumen. Im Innern konnten wir ein wunderbar geschnitztes Chorgestühl aus Zedernholz bestaunen. Von den Torbögen ausserhalb des Klosters hatte man einen tollen Ausblick auf Sucre und die umliegenden Berge, vor allem war es ein aussergewöhnlich stiller Ort im Gegensatz zu dem pulsierenden Zentrum unten in der Stadt. Dann ging’s durch kleine Gassen, vorbei an vielen kleinen und grossen weissen Häusern, hinunter in die Stadt, die man nicht umsonst auch als die weisse Stadt bezeichnet. Wir kamen zur „ Plaza 25 de Mayo“ um die sich die wichtigsten Gebäude der Stadt gruppierten, die Kathedrale, die "Capilla de la Virgen de Guadalupe". Wir besichtigten das "Museo de la Catedral", eines der bedeutendsten religiösen Museen des Landes mit Kolonialgemälden, Pergamentbänden und zahlreichen wertvollen sakralen Gegenständen aus Gold und Silber, ein Besuch der sich wirklich lohnte. Auch die "Casa de la Libertad“, das wichtigste historische Monument des Landes, besichtigten wir, hier wurde am 25. Mai 1809 die erste Unabhängigkeitserklärung Lateinamerikas unterzeichnet. Ja und schon war auch diese Tour durch die Stadt beendet und wir mussten uns auf den Weg  zum Flughafen begeben, um nach la Paz zurück zu fliegen. Nach vierstündiger Verspätung hob unser Flugzeug endlich ab, dieser Flug wird uns aber vermutlich lange in Erinnerung bleiben, beim Landeanflug auf La Paz  flogen wir in ein gewaltiges Gewitter hinein und unsere Maschine wurde recht kräftig durchgeschüttelt. Nach zwei weiteren Tagen Aufenthaltes in der höchstgelegen Stadt der Welt ging unser Abenteuer Bolivien, einem noch fast unentdeckten Land das voller Vielfalt steckt, mit dem Rückflug nach Lima zu Ende. Noch ein allerletztes Mal konnten wir den wunderbaren Ausblick aus dem Flugzeugfenster über die Bergwelt der Anden geniessen

Überarbeitet April 2018

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