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Karte Baltikum

LITAUEN
Wir haben bis zu unserer Abreise im Juni herzlich wenig über die baltischen Staaten gewusst. Umso spannender empfanden wir die Reise in diese drei Hauptstädte Vilnius, Riga und Tallinn. Scheinbar am „Rande“ Europas gelegen, befindet sich Litauen in Wirklichkeit im Zentrum unseres Kontinentes. Experten zufolge liegt Europas geografische Mitte 25 km nördlich von Vilnius.
Unsere Reise begann am Nachmittag des 5. Juni 2019 mit einem Flug der airBaltic von Zürich, via Riga nach Vilnius der Hauptstadt von Litauen, wo wir am späten Nachmittag landeten. Nachdem wir die Uhren 1 Stunde vorgestellt hatten, begrüsste uns Tamara, unsere lettische Reiseleiterin, die uns durch das Baltikum begleitete. Nach einer kurzen Busfahrt erreichte unsere 15 köpfige Gruppe das zentral gelegene Europa City Hotel, so ein richtiges Touristen Hotel mit weiss Gott wie vielen Reisegruppen aus halb Europa. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes lernten wir Vilnius, die quirlige Hauptstadt Litauens kennen – ein bunter Mix aus katholischen und orthodoxen Kirchen, Gotik und Barock. Vilnius ist nicht nur Hauptstadt, sondern auch grösste Stadt Litauens und nur noch knapp 30 Kilometer von der weissrussischen Grenze entfernt. Etwa 570.000 Menschen leben hier im Südosten des Landes. Die Stadt, welche am Fluss Neris liegt, ist die einzige Hauptstadt im Baltikum , die nicht direkt am Meer liegt. Die unzähligen Barockbauten und engen Gassen in der Altstadt geben der Stadt einen unglaublichen Charme. Vorbei am Burgberg mit den Überresten der Oberen Burg und dem Gediminas-Turm, fuhren wir zum Tor der Morgenröte, welches der direkte Weg in das Herz der Stadt und Teil der alten Stadtmauer sowie ein wichtiger christlicher Wallfahrtsort ist. Von ursprünglich neun Toren ist es das einzig das noch erhalten geblieben ist. Im Obergeschoss des Tores befindet sich eine kleine Kapelle mit einer Schwarzen Madonna, der Schutzheiligen Litauens und Weissrusslands. Ein paar Schritte weiter besichtigten wir die die prächtig ausgestattete orthodoxe Heiliggeistkirche. Neben einer gigantischen hölzernen Ikonenwand fiel sie vor allem durch einen ungewöhnlichen grünen Altar auf. Auf dem Weg durch Senamiestis, der lebhaften, gut erhaltene Altstadt, kamen wir an etlichen barocken und gotischen Kirchen vorbei. Egal in welche Himmelsrichtung man in Vilnius blickt überall sieht man Kirchen. Nicht umsonst wird die litauische Hauptstadt gern die „Stadt der 1000 Kirchen“ oder auch „Rom des Ostens“ genannt. Einige Schritte weiter lag unübersehbar die "Town Hall", oder besser gesagt, das Rathaus der Stadt, ein mächtiges mit Vorbau und Säulen geschmücktes, weisses Haus. Vom Stil her erinnerte es an einen historischen, römischen Tempel im Kleinformat. Einst wurde es in ein Stadttheater umgewandelt, in dem die ersten Opernaufführungen in Vilnius stattfanden. Heute ist es wieder der offizielle Sitz des Bürgermeisters und ein repräsentatives Gebäude. Rund um das Rathaus herum konnten man jede Menge Strassencafés und Restaurants erblicken. Dann gingen wir weiter zum Platz der St. Stanislaus und St. Ladislaus Kathedrale. Das weisse grosse Bauwerk , eine architektonische Mischung aus griechischem Tempel und polnischem Theater, beeindruckte auch im Innern. Nachdem die Sowjets sie als Museum nutzten, wurde sie 1988 wieder in eine kath. Kirche umgewandelt. Der Platz mit dem separat stehenden berühmten Glockenturm ist das Wahrzeichen von Vilnius. Aufgrund seines Alters und des weichen Untergrunds steht dieser mittlerweile etwas schief. Auf dem Platz zwischen der Kathedrale und dem davorstehenden Turm konnte man noch eine kleine Besonderheit erblicken. Ein Pflasterstein mit dem Wort „stebuklas“ (litauisch für Wunder) ist hier sichtbar. Es steht als Sinnbild aus dem Jahre 1989als sich hier eine riesige Menschenkette bildete die sich für die politische Freiheit der Staaten Estland, Lettland und Litauen versammelte und mit 2.000.000 (!) Menschen über 600 Kilometer von Vilnius über Kaunas und Riga bis nach Tallinn reichte. Es war dies die „Singende Revolution“, bei welcher die Teilnehmer mit jahrzehntelang verbotenen Volksliedern für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit eintraten. Unmittelbar dahinter konnten wir das wieder erbaute Grossfürstliche Schloss erblicken, welches die Heimat der polnisch-litauischen Grossfürsten war . Es wurde an derselben Stelle wieder aufgebaut wie sein historisches Original. Der Palast in der Unteren Burg von Vilnius war das politische Verwaltungs- und kulturelle Zentrum Litauens. Heute befindet sich hier das Nationalmuseum, zudem finden hier auch Konzerte statt. Beim Spaziergang durch den dahinter liegenden Park hatten wir einen wunderbaren Blick auf den 142 m hohen Gediminas-Berg mit dem Gediminas-Turm. den wir bereits bei der Anfahrt ins Zentrum von Vilnius erblicken konnten. Zwischen all den prachtvollen Bauten waren aber auch hin und wieder Überreste der sozialistischen Vergangenheit zu erkennen.
Am Nachmittag ging unsere Reise weiter. Nach einer guten halben Stunde Fahrzeit vorbei an Birken - und Pinienwälder, erreichten wir den Ort Trakai , das mittelalterliche Herz des Landes. Trakai ist wunderschön eingebettet in eine Seenlandschaft und hat über 6.000 Einwohner, davon sind etwas mehr als die Hälfte Litauer. Hier wird Litauisch, aber auch Polnisch, Tatarisch, Jiddisch, Deutsch und Russisch gesprochen. Der Ort liegt auf einer Halbinsel und ist besonders bekannt durch seine gotische Wasserburg welche im Mittelalter malerisch auf einem Inselchen zwischen dem Galvesee, dem Lukasee und dem Totoriskessee gebaut wurde. Sie ist ein nationales Symbol Litauens und der Stolz des ganzen Landes. Über eine schmale Holzbrücke gelangten wir in den Burghof. Mit ihren roten, herausgeputzten Fassaden und den akkuraten Türmchen machte die Burg irgendwie einen märchenhaften Eindruck. Vom Eingangsbereich hatte man einen schönen Blick auf die Anlage. Ein Museum im Inneren bot uns Einblick ins mittelalterliche Ritterleben. In zahlreichen Ausstellungsräumen konnten wir die Geschichte von Trakai und der Burg erfahren. Wir fühlten uns ins späte Mittelalter versetzt und konnten uns ein bisschen vorstellen, wie sich das Leben früher abgespielt hat. Nach der Besichtigung begaben wir uns noch kurz an das malerische Ufer des Sees welches von einer Menge überfüllten Cafés und Restaurants und Souvenirläden und vielen Bernstein-ständenflankiert wurde.
Da die Weiterfahrt anstand, blieb uns leider keine Zeit noch kurz den kleinen interessanten Ort zu besichtigen. Am späteren Nachmittag erreichten wir Kaunas, mit ca. 320.000 Einwohner ist dies die zweitgrösste Stadt Litauens. Zwischen 1920 und 1940, als Vilnius noch zu Polen gehörte, war Kaunas die Hauptstadt Litauens. Wir begannen mit der der Besichtigungstour bei der Burg von Kaunas, die zu unserer Überraschung nicht auf einer Anhöhe, sondern auf derselben Höhe wie die Altstadt lag. Leider blieb von der einst stolzen Burg nicht mehr viel übrig, das Gelände wird aber als Kulisse für die jährlich stattfindenden unterschiedlichen Kulturveranstaltungen genutzt. Nicht weit davon entfernte konnten wir die turmlose St. Georgs Kirche besichtigen, sie wurde von den Sowjets geschlossen und dann für Truppenübungen gebraucht. Jedem der einmal sehen möchte, was mehr als 50 Jahre Nutzung einer Kirche in Sowjetzeiten anrichten konnte ist ein Besuch dieser Kirche zur Zeit anzuraten. Wir haben noch nie eine Kirche in einem so schlechten Zustand gesehen. Nach der Wende bekam sie dann ein neues Dach um sie vor weiterem Verfall zu schützen. Und schon waren wir auf dem Rathausplatz, wo früher Märkte abgehalten wurden. Das frühere Rathaus mit einem 53 m hohem Turm, wird wegen seiner hohen, weissen Gestalt umgangssprachlich „Weisser Schwan“ genannt und als Standesamt genutzt. Gleich daneben besichtigten wir die Jesuitenkirche mit ihrem barocken Inneren. Weiter gings zur nächsten Kirche, der von aussen recht unscheinbare Peter-und-Paul-Kathedrale, dem grössten gotischen Bauwerk in Litauen. Neun Altäre zählen zu ihrer reichen Innenausstattung. Beeindruckend durch sein Holzinterieur war die Kapelle des Heiligen Sakraments - eine kleine Kirche, die in eine grössere integriert wurde. Dann ging s weiter durch die Fussgängerzone der Altstadt, die hier anders als in Vilnius mittelalterlich geprägt wurde, mit Pflastersteinen, wunderschönen historischen oder restaurierten Gebäuden und gemütlichen Strassencafés. Zum Schluss begaben uns zur Vytautas-Brücke, die 1948 von deutschen Kriegsgefangenen erbaut wurde. Sie verbindet den Stadtteil Aleksotas mit der Altstadt Kaunas und ist 256 Meter lang. Hier befindet sich der Zusammenfluss der Memel mit der Neris. Der Fluss, welcher im Norden von Belarus entspringt, durchfliesst die litauische Hauptstadt Vilnius und mündet in Kaunas in die Memel. Auch diese Stadt hätte noch sehr viel Interessantes zu bieten, aber unser Nachtessen im nächsten Besichtigungsort, Klaipėda, wartete auf uns. Nach unserer Ankunft im Hotel Amberton, auch wieder so ein typisches Reisegruppen-Hotel und einem ziemlich hektischen Nachtessen in einem überfüllten Speisesaal, drehten wir noch eine kleine Runde durch den Ort. Nach dem Frühstück begann der neue Tag mit einer Stadtführung durch Klaipėda – Bis 1920 war die Stadt an der Dangemündung die nördlichste Stadt Deutschlands und hiess Memel. Die drittgrösste Stadt Litauens hat ein kleines, hübsches Zentrum mit Fachwerkhäusern, Pflastersteinen und vielen Restaurants. Unser Stadtbummel führte uns vorbei an vielen längst wieder restaurierten Gebäuden. Im Allgemeinen war es schwer in Klaipėda klassische Sehenswürdigkeiten zu finden. Klar, den Brunnen des „Ännchen von Tharau“ am Rathausplatz etwa ist erwähnenswert. Sie war die Angebetete des in Memel geborenen Dichters Simon Dach (1605-1659), der er das berühmte Gedicht widmete, das später auch vertont wurde. Als eines der wichtigsten Symbole von Klaipėda könnte man das das Segelschiff „Meridianas“ erwähnen. Dieser stolze Segler diente der Seefahrtschule als Schulschiff. Heute ist sie aber nicht mehr seetüchtig und liegt am Ufer der Dane vertäut und zählt zu den besten Restaurants der Stadt. Nach dem Stadtrundgang begaben wir uns zum nördlichsten eisfreien Hafen an der Ostsee, dem grössten Umschlagplatz für Waren aus Belarus. Über den Hafen in Klaipėda wickelt das Land seine Geschäfte ab und bringt dadurch harte Devisen ins Land. Eine Fähre brachte uns zur Kurischen Nehrung, nach Smiltynė. Diese ist auf litauischer Seite über eine Fährverbindung mit dem Festland verbunden. Es handelt sich dabei um zwei grössere Autofähren, welche regelmässig zwischen Klaipėda und Smiltynės auf den Kurischen Nehrung hin- und herpendeln. Dieser schmale Landstreifen im baltischen Meer ist auf der Welt einzigartig: Er erstreckt sich über 98 Kilometer vom Festland Litauens bis zur russischen Region Kaliningrad. Dabei ist das schmale Gebilde an seiner breitesten Stelle gerade mal vier Kilometer, an seiner schmalsten nur 400 Meter breit – und es besteht ausschliesslich aus Sand, der sich an manchen Stellen zu hohen Dünen aufgetürmt hat. Unseren ersten Halt machten wir kurz nach der Ortschaft Juodkrante, inmitten eines Waldstückes das trostloser kaum aussehen konnte.Hier befindet sich eine grosse Kormorankolonie. Über ein paar Treppenstufen gelangten wir auf eine Aussichtsplattform. Hoch in den kahlen Bäumen nisten die Vögel, ihr Kot ist so ätzend, dass er Wälder abtötet, und ihr Appetit so gross, dass sie das Haff leer fressen. Einige tausend dieser mächtigen Vögel haben sich hier niedergelassen. Der Besuch lohnte sich, auch wenn unser Geruchssinn etwas strapaziert wurde. Dann ging unsere Fahrt weiter nach Nida, dem letzten litauischen Ort vor der russischen Exklave Kaliningrad, Unsere nächste Station war die Besichtigung des Thomas-Mann-Kulturzentrums im ehemaligen Ferienhaus des Schriftstellers. Nachdem dieser 1929 einer Empfehlung folgend seinen Sommerurlaub in Nida verbrachte, war er offenbar so angetan, davon, dass er gleich beschloss, hier ein Sommerhaus mit Blick auf das Haff und das Memel-delta zu bauen. Ein wahrlich einladendes Sommerhaus mit einem Arbeitszimmer in exponierter Lage mitten im Kiefernwald an einem Hang über dem Kurischen Haff gelegen Die Ausstellung widmet sich dem Leben und Wirken Thomas Mann‘s . Nur 3 Sommer verbrachte der Schriftsteller mit seiner Familie hier bevor er ins Exil nach Amerika flüchten musste.
Dann gings weiter zum Ort Nida, das frühere deutsche Nidden sieht immer noch aus wie ein Fischerort aus dem 19. Jahrhundert: Urige Holz- und Fachwerkhäuser mit blauen Fensterläden und strohgedeckten Dächern, blühende Vorgärten, in denen alte Holzboote lagern und einer evangelisch-lutherische Kirche aus dem Jahr 1888. Obwohl Nida das touristische Zentrum der Nehrung ist ,strahlte es eher Ruhe als Rummel aus. Man konnte hier wirklich haufenweise Postkartenmotive erblicken Und direkt am Hafen locken Restaurants mit Sonnenterrassen und traditionellen Gerichten: fangfrischem Fisch, Pfannkuchen oder geräucherten Schweineohren mit geröstetem Schwarzbrot – angeblich ein beliebter Snack zum Knabbern. Die Region ist übrigens für das grosse Vorkommen an Bernstein bekannt. Endlose Dünen gibt es nur in der Wüste? Falsch gedacht. Die Sandberge auf der Kurischen Nehrung gehören zu den höchsten in ganz Europa und diese besichtigten wir am Nachmittag. Die 53 Meter hohe Parnidis-Düne zählt zu den grössten Wanderdünen in ganz Europa und liegt nur etwa einen Kilometer südwestlich von Nida und rund 1,5 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.Laut Wissenschaftlern bewegt sich die Parnidis Düne jedes Jahr zwischen 0,5 bis 10 Metern Richtung Osten und verliert damit Jahr für Jahr an Grösse. Holztreppen führten uns auf den höchsten Punkt des sieben Quadratkilometer grossen Sand-Areals. Ganz oben wurde Im Jahr 1995 wurde der Sonnenuhr-Kalender mit einem Obelisken errichtet. Der Kalender zeigt die exakte örtliche Zeit. An den Rändern des Platzes stehen vier Skulpturen als Symbole der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling und im Herbst und der Sommer- und Wintersonnenwende. Der Blick in die Umgebung hatte etwas Unwirkliches: Wasser, Sandberge und Kiefernwäldern soweit das Auge reichte und auch die Sicht hin zur russischen Grenze war speziell und beeindruckend.
Nun war unser letzter Tag in Litauen angebrochen. Nach einem reichhaltigen Frühstück begann unsere Fahrt nach Lettland, ungefähr 300 km bis Riga lagen nun vor uns. Unterwegs stand aber noch ein Besichtigungspunkt auf unserem Programm.Ungefähr auf halber Strecke zwischen Klaipėda und Riga, etwa 12 km von Siauliai entfernt, befindet sich der Berg der Kreuze. Hier machten wir unseren ersten Stopp. Auf einem kleinen Hügel , der geschätzte zehn Meter hoch ist, führt eine schmale Holztreppe nach oben, wo links und rechts ein schier unendliches Meer von Kreuzen erstreckte, diese wurden aus Protest gegen die sowjetische Besatzung aufgestellt. Mehrere Male wurden sie durch die Besatzungsmacht mit Bulldozern platt gewalzt. Die Kultstätte mit zigtausenden Kreuzen ist ein eindrucksvolles Beispiel für Frömmigkeit, Volkstümlichkeit und religiösem Widerstand gegen die russische Herrschaft. Der Berg der Kreuze ist unheimlich und faszinierend zugleich. Als katholischer Wallfahrtsort zieht er Gläubige aus ganz Europa an und wird wohl Jahr für Jahr weiter wachsen.
Nach dem Mittagessen ging unsere Reise weiter nach Lettland.
LETTLAND
Eingeklemmt zwischen Estland im Norden und Litauen im Süden, beansprucht Lettland eine Fläche von 64 589 m2. Das Land ist zumeist flach und von dichten Wäldern und grünen Feldern bedeckt. Lettland präsentiert sich wahrhaft multikulturell. Nur ein wenig mehr als die Hälfte der Einwohner , gut zwei Millionen sind tatsächlich Letten. Vor allem Russen und Ukrainer haben sich in der baltischen Republik unter Stalin und Breschnew hier angesiedelt.
Fast Unbemerkt haben wir die Grenze zu Lettland überquert. Durch sibirisch anmutende Birken- und Kiefernwälder ging unsere Fahrt weiter nach dem etwa 13 km westlich der Stadt Bauska liegenden Schloss Rundale, das zwischen 1734 – 1740 erbaut wurde und dessen barocke Architektur und Garten an Frankreich erinnern. Es ist nicht nur das schönste Schloss in Lettland, sondern gilt als das prächtigste Barockschloss des gesamten Baltikums. Das dreiflügelige und zweistöckige Anwesen beeindruckt schon durch seine enormen Ausmasse. Ein grosser Teil der 138 Räume konnte man besichtigen. Im Innern trafen wir auf ein Hochzeitspaar dass sich gerade im Weissen Saal trauen liess. Das erklärte uns auch warum draussen vor der Eingangstreppe geschmückte Limousinen standen. Mit viel Engagement und Liebe zum Detail wurde dieses Schloss, dass nach dem Krieg zeitweise als Lazarett und auch als Schule genutzt wurde, restauriert. Besonders schön war ein Spaziergang durch die traumhafte Gartenanlage , einen fast einen Hektar grosse Rosengarten , das zauberhafte Grüne Theater und dem Brunnen. Nach diesem sehenswerten Erlebnis stiegen wir wieder in unseren Bus und fuhren die restlichen 70 km bis Riga. Schon vom Bus aus können wir schon die Pracht und Schönheit dieser Stadt erkennen. Bei der Fahrt über die grosse Vans'u Brücke konnten wir schon das erste Kreuzfahrtschiff erblicken und auf der linken Seite begrüsste uns die Altstadt von Riga. Wir checkten im Hotel Rixwell Konventa Seta ein, einem historischen, hochmodernen Stadthaus in einem Komplex mit 7 Gebäuden mitten in der Altstadt. Nach dem Abendessen unternahmen wir noch einen kleinen Rundgang und erkundeten so noch ein wenig die Altstadt. Auf dem Weg zwischen Altstadt und Jugendstilviertel kamen wir am Platz mit dem 42 Meter hohen Freiheitsdenkmal welches die Unabhängigkeit und Freiheit Lettlands symbolisiert vorbei. Die Freiheitsstatue hebt drei Sterne aus dem lettischen Staatswappen in den Himmel, diese stehen für die drei Regionen des Landes. Anschliessend besichtigten wir den wunderschönen Stulaka-Park, direkt neben dem "Pilsetas Kanal" der die Stadt durchquert und kamen so zur lettischen Nationaloper. Dass Riga für sein reges Nachtleben bekannt und zum neuen Treff für Wochenend-Partytouristen geworden, ist sobald es dunkel wird, konnten wir auf dem Rückweg ins Hotel selber erleben, die Strassen und Plätze rund um die vielen Bars, Pubs, Clubs und Discos begannen sich recht kräftig zu füllen. Die Letten sind trinkfest und schlagen sich gerne die Nacht um die Ohren. Daher sind sie auch stolz darauf, dass sie seit 2012 den Weltrekord für die höchste Promillegrenze halten, die jemals bei einem Menschen gemessen wurde: 8,8 Promille!
Startpunkt war eine idyllische Parklandschaft die direkt am Pilsetas -Kanal angelegt wurde und ein Stück ausserhalb der historischen Altstadt von Riga liegt. Dann ging die Fahrt los, in einem kleinen Holz Boot konnten wir etwa eine Stunde lang entlang einer schönen Landschaften schippern und so die beliebtesten Sehenswürdigkeiten erkunden. Dies war eine Art, die Stadt von einem anderen Blickwinkel aus zu erkunden. Während der Fahrt entlang des Altstadtzentrums hatte man einen wunderschönen Ausblick auf die Altstadt mit ihren Türmen, das Rigaer Schloss, die Nationalbibliothek, den Passagierhafen Riga, den Fernsehturm welcher auf der Insel Zaķusala steht, bis hin zur Mündung des Flusses Daugava, welcher hier auf das Baltische Meer trifft. Unter den drei Hauptbrücken der Stadt hindurch und am Rigaer Passagierterminal vorbei, gelangten wir im Kronvalda-Park wieder auf den Kanal.
Am nächsten Morgen ging unsere Reise weiter nach Sigulda- dem Tor zum Gauja-Nationalpark, hier sind viele bedrohte Tiere heimisch geworden, darunter Elche, Wölfe, Luchse und der Europäische Braunbär. Auf unserer Fahrt durch eine unberührte Natur lernten wir hier die wahre Schönheit Lettlands kennen. Wir waren überrascht wie grün und naturbelassen die Landschaft war. Bei Ort Sigulda ,welcher wegen seiner Hügellandschaft auch als "die Lettische Schweiz" bezeichnet wird, machten wir eine Pause und besichtigten die Bischofsburg Turaida welche sich mächtig über den Fluss erhob. Auf einem Areal von gut 43 Hektar werden hier 1000 Jahre lettische Geschichte dokumentiert. Die wichtigste oder zumindest bekannteste Sehenswürdigkeit ist die aus Backsteinen errichtete Burg Fredeland von Turaida. Auf dem weiteren Weg zur Mauerburg Turaida tauchte bald ein mächtiger Rundturm vor uns auf. Wenig später hatten wir die aus roten Backsteinen errichtete Festung von Turaida erreicht. Von einem 27 m hohen Aussichtsturm hatten wir eine grandiose Aussicht auf die imposante Fluss- und die riesigen Waldlandschaften. Daneben gab es auf dem weitläufigen Museumsgebiet aber noch einiges mehr zu entdecken.
So steuerten wir als Erstes die Kirche von Turaida an. Die lutherische Kirche entstand im Jahr 1750. Sie ist eine der ältesten Holzkirchen in der Region Livland. Auf dem Rückweg zum Ausgang bewunderten wir den Skulpturengarten. Hauptattraktion des Parks waren die 26 Skulpturen des Bildhauers Indulis Ranka, die sich über den Liedergarten verteilten.
Anschliessend setzten wir unsere Reise fort in Richtung Estland.
ESTLAND (TALLINN)
Die estnische Hauptstadt liegt am Finnischen Meerbusen im Norden des Landes und ist mit etwa 400'000 Einwohnern die grösste Stadt des Landes.
Unsere ca. 300 km lange Fahrt von Sigulda nach Tallinn dauerte rund 4 Stunden. Am späteren Nachmittag checkten wir im Hotel Metropol mitten im Rotermann Viertel ein. Zwischen Altstadt und Hafen liegt das Rotermann-Viertel mit seinem Mix aus restaurierten Backsteingebäuden und futuristischen Bauten aus Glas und Stahl. Anschliessend begaben wir uns in die etwa 10 Min. entfernte Altstadt und konnten uns schon etwas in unser neues Abenteuer einleben. Formal gehört Estland zu den baltischen Staaten. Kulturell fühlen sich die meisten Esten jedoch den Finnen näher als den Letten und Litauern. Tallinn und die finnische Hauptstadt Helsinki liegen nur 85 Kilometer auseinander – zu überwinden in 90 Minuten mit der Schnellfähre. Beim Spaziergang durch die Gassen des Zentrums, ist es, als ob man durch ein grosses Freilichtmuseum wandelt, gehört doch die mittelalterliche Hansestadt zu den ältesten Städten an der Ostsee. 1997 wurde sie zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Bis 1918 hiess die Stadt übrigens "Reval". Der nächste morgen begann mit der Fahrt zur berühmten Sängerwiese. Hier begann 1988 mit der Singenden Revolution – einer gewaltigen musikalischen Demonstration gegen die Sowjetherrschaft – der Weg in Estlands Unabhängigkeit. Die beeindruckende Lauluväljak, eine gewaltige überdachte Bühne, ist wie eine gewaltige Muschel geformt und funktioniert dadurch wie ein riesiger, natürlicher Verstärker. Hier wird alle 5 Jahre das berühmte Sänger- und Tanzfest veranstaltet – mit bis zu 34 000 aktiven Mitwirkenden und 200 000 Zuschauern. Seit 2004 steht hier auch ein Denkmal, das Gustav Ernesaks gewidmet ist, der als Musikvater der Sängerfeste und allgemeiner Organisator gilt und sehr verehrt wird. Sein Lied "Mu isamaa on minu arm" (Mein Vaterland ist meine Liebe) entwickelte sich während der Sowjetzeit für die Esten zur inoffiziellen Hymne. Auf unserer Fahrt in Richtung Altstadt, kamen wir an dem nicht so sehenswerten Olympiazentrum vorbei. Bei den XXII. Olympischen Sommerspielen 1980 fanden hier sechs Wettkämpfe im Segeln statt. Da Moskau keine ausreichenden Wassersportmöglichkeiten hatte, wurden die Segelregatten der Olympischen Spiele hier in Tallinn ausgetragen. Der Sportboothafen in Pirita wurde zu diesem Zweck ausgebaut, auch das Olympiahotel Pirita Marina" welches für die Sportler erbaut wurde,steht da. Dann ging unsere Fahrt weiter auf den Domberg, hier begann unsere Tour durch die Stadt. Der Domberg eigentlich eine eigene kleine Stadt in der Stadt, bietet viele interessante Gebäude und Kirchen. Zuerst einmal besichtigten wir der Garten der Gouverneure vom Schloss Toompea in dem mittlerweile das estnische Parlament untergebracht ist. Eigentlich stand an dieser Stelle eine Burg, die bereits im 10. oder 11. Jahrhundert errichtet wurde. Die Burg mit dem 95 m hohen Turm, dem langen Hermann, der ursprünglich einer der vier Ecktürme der mittelalterlichen Burganlage war, ist von aussen sehr eindrucksvoll und von einem schönen Park umgeben. Gegenüber des Schlosses besichtigten wir die reich geschmückte christlich orthodoxe Alexander-Nevski-Kathedrale mit ihren fünf Zwiebeltürmen. Die grosse, im historistischen Stil erbaute und reichlich dekorierte russisch-orthodoxe Kirche wurde im Jahre 1900 fertiggestellt. Zu dieser Zeit war Estland Teil des Zarenreiches, sie wurde zur Erinnerung an den russischen Nationalhelden und Heiligen Alexander Jaroslawitsch Newski erbaut. Ein kurzer Rundgang durch die Kathedrale lohnte sich wirklich, zum einen weil sie reich geschmückt und hell ist, zum anderen herrschte hier eine ganz besondere Atmosphäre …der Geruch nach Weihrauch, die Ikonen überall, die betenden Menschen... Fotografieren war hier übrigens verboten, aber es hat dann doch noch für einige Aufnahmen geklappt. In den Türmen dieser Kathedrale befindet sich Tallinns mächtigstes Kirchenglocken Ensemble welches aus elf Glocken besteht, unter denen sich auch Tallinns grösste, 15 Tonnen wiegende befindet . Dann gings weiter zum Dom, eine der ältesten Kirchen Estlands die seit dem 13. Jh. mehrfach umgebaut wurde. Allein der Eingang war schon recht speziell, sind wir uns doch gewohnt dass wir eher Treppen in eine Kirche hinaufsteigen oder sie ebenerdig betreten, hier ging es aber abwärts in die Kirche. Von aussen war das Bauwerk eher unscheinbar. Bekannt ist der Tallinner Dom vor allem auch wegen seiner zahlreichen Grabplatten und Sarkophage. Beeindruckend waren auch die 107 Wappenzeichen der deutschbaltischen Adligen Estlands, die an den Wänden der Kirche angebracht sind. Es sind nur Wappen von Männern. Vom Tallinner Dom waren es nur noch wenige Meter bis zur „Kohtuotsa"Aussichtsplattform, eine von drei Aussichtspunkten des Domberges. Dabei kamen wir am Rosengarten zum Gedenken des dänischen Königs Valdemar II. vorbei. Am Eingang konnten wir ein eisernes Schwert und ein Schild mit dem dänischen Kreuz. Erblicken. Eine bekannte Legende in Estland und Dänemark behauptet, dass die dänische Flagge, die Dannebrog, hier geboren wurde. Auf dem Gelände kamen wir an mehreren gesichtslose nMönchsskulpturen vorbei , deren Bedeutung uns jedoch niemand erklären konnte. Die weit über 2 m Hohen Gestalten sahen irgendwie gruselig aus. Die Statuen sollen den betenden Mönch, den wartenden Mönch und den beobachtenden Mönch darstellen. Von der Aussichtsplattform eröffnete sich uns ein unvergesslicher Ausblick auf die mittelalterliche Altstadt mit dem modernen Stadtteil im Hintergrund. Von hier aus konnten wir die meisten Türme und sogar den höchsten, den Talliner Fernsehturm erblicken , sowie den Stadtteil Lasnamäe mit seinen Wohnblöcken aus der Sowjetzeit. Im Hintergrund sahen wir man den Finnischen Meerbusen, den Hafen und Pirita. Über die 1903 erbaute Patkulsche Treppe, die mit 157 Stufen die Oberstadt und die Unterstadt verbindet, gelangten wir ins Zentrum und ehe wir uns versahen, waren wir mittendrin im Mittelalter. Fast wie eine Filmkulisse erschien uns die perfekt sanierte Altstadt mit kleinen, schiefen Häusern, Speichern, der Stadtmauer mit Wehrtürmen. Die Altstadt Tallinns soll angeblich eines der weltweit am besten erhaltenen Stadtzentren aus der Hansezeit sein. Hier liessen wir uns vom Charme der kopfsteingepflasterten Strassen und engen Gassen verzaubern und gelangten so zum Rathausplatz, dem wohl schönsten und bekanntesten Platz in ganz Tallinn. Hier schlägt das Herz der Altstadt mit seinem prächtigen gotischen Rathaus das von der Form her eher wie eine Kirche wirkt und zum Weltkulturerbe gehört. Dieser Platz hatte einen ganz eigenen Charme, er diente von jeher als urtümlicher Marktplatz und als Zentrum der mittelalterlichen Hansestadt. Auf dem Markt konnte man estnisches Kunsthandwerk kaufen, allen voran: Bernsteinschmuck, das Gold der Ostsee, Pelzmützen, Handschuhe, Schals, Souvenir. Viele alte und guterhaltene Gebäude gaben einem das Gefühl in einer anderen Zeit zu sein. Man konnte sich hier in eins der vielen Strassencafés setzten und die Touristen und Strassenkünstler beobachten Auf der anderen Seite des Platzes erblickten wir die älteste Apotheke die "Raeapteek" die Ratsapotheke.Die angeblich älteste Apotheke Europas ist in einem schönen Gebäude untergebracht. Seit 1422 ist sie schon an dieser Stelle und bis heute erfüllt sie ihren Zweck als Apotheke. Angeblich hat hier schon der russischer Zar seine Medikamente bestellt. Nicht weit entfernt in der „Piik-Gasse“ konnten wir die sehenswerte Gildehäuser aus dem Mittelalter, als Tallinn noch eine florierende Hansestadt war, bewundern, so auch die Grosse Gilde, ein typischer Hansebau, in der einst die wichtigsten Kaufleute der Stadt tagten. Heute hat das Museum für estnische Geschichte dort seinen Sitz. Nicht verpassen sollte man die Schwarzhäuptergilde ein paar Gassen weiter. Hinter der reichverzierten Renaissancefassade waren nur unverheiratete Kaufleute zugelassen. Direkt hinter der Stadtmauer in Richtung Hafen kamen wir am „Estonia Denkmal“ vorbei, eine aus schwarzem Granit gefertigte Skulptur trägt den Titel ›Katkenud liin‹, unterbrochene Linie. Das fehlende Mittelstück steht für das plötzliche Lebensende. Eine Tafel weist auf das Schiffsunglück der Fähre Estonia hin, die 1994 sank. Das Fährschiff "Estonia" ging in der Nacht zum 28. September 1994 auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm unter. 137 in Seenot geratene Menschen konnten gerettet werden, 852 Menschen kamen ums Leben, von denen 757 als vermisst erklärt wurden.Tallinn ist eindeutig eine sehr skandinavische Stadt, den osteuropäischen Einschlag, den die Stadt ja eigentlich irgendwie haben müsste, bemerkt man hier nirgends. Ausserhalb der gewaltigen Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert präsentiert sich die estnische Hauptstadt ganz anders. Hier wartet ein spannender Mix aus kreativ, hip, modern und vor allem fortschrittlich. Zweifelsohne, Tallinn könnte man als die Technologiestadt schlechthin bezeichnen.Am morgen vor unserem Abflug besichtigten wir noch ein wenig die Umgebung unseres Hotels welches sich ja am Rande des historischen Rotermann-Viertels, im Gebiet zwischen der Altstadt, dem Hafen und dem Viru Platz befand. Auf sehr gute Art und Weise hat man hier die alten Fabrikgebäude erhalten indem man ihnen z. B. Glasaufbauten aufgesetzt hat, zudem konnte man schöne Designerläden entdecken. Es ist Stadtviertel, in dem sich aufwändig sanierte, wiederbelebte ehemalige Industriegebäude und moderne Architektur auf einander treffen. Im 19. Jahrhundert gab es in diesem Viertel ein Kaufhaus, eine Mühle, Spirituosen-, Nudel- und Brotfabriken, sowie einen Salzspeicher, eines der einzigartigsten bis heute erhaltenen Hauptgebäude in Estland. Aus dem unscheinbaren Fabrik- und Industrieviertel ist ein schmuckes Ausgehviertel mit Restaurants, Hotels und Läden gemacht worden, viel Gebäude mit modernem Anstrich. Anschliessend besichtigten wir den Altstadthafen von Tallinn ein bedeutender Fähr- und Kreuzfahrthafen. Vor einigen Jahren wurden zwei lange Piere gebaut, an denen bis zu 4 Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Hier machen neben Kreuzfahrtschiffen auch viele Ostseefähren fest. Vor allem für die Fähren nach Finnland ,Schweden und St. Petersburg ist Tallinn ein wichtiger Hafen .
Hier endete unsere Reise durchs Baltikum, am Mittag gings zum Flughafen in Tallinn von wo aus wir via Riga nach Zürich, zurückflogen und dort am am Abend wieder landeten.
